Liquidität / Liquiditätsplanung

Die Liquidität gibt an, wie viele flüssige (liquide) Mittel einem Unternehmen zur Verfügung stehen. Liquide Mittel sind Barbestände der Kasse sowie die Beträge der Bankkonten. Hat ein Unternehmen keine liquiden Mittel mehr, so muss nach einer Frist Insolvenz angemeldet werden.

Deshalb ist es erforderlich, dass stets genug Zahlungsmittel zur Verfügung stehen, um sämtliche Zahlungen fristgerecht tätigen zu können. Dies setzt eine Liquiditätsplanung voraus.

Die Liquiditätsplanung soll die Frage „Wann fallen welche Zahlungen an?“ beantworten. Für die diese Planung reicht es nicht aus, Kosten und Umsätze gegenüber zu stellen. Es müssen die tatsächlichen Zahlungsströme erfasst werden. Durch Umsatzerlöse allein, erhält das Unternehmen nicht unbedingt Einzahlungen. Beispielsweise kann der Kunde ist zahlungsunfähig sein.

Welche Liquidität ist optimal?

Eine zu geringe Liquidität birgt die Gefahr der Insolvenz. Eine zu hohe Liquidität geht aufgrund von Oppurtunitätskosten zu Lasten der Rentabilität.

Es gibt betriebswirtschaftliche Kennzahlen um die Liquidität eines Unternehmen zu bewerten. Dies sind die sogenannten Liquiditätsgrade.

Beim Liquiditätsgrad werden die zur Verfügung stehenden flüssigen Mitteln den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Relation gesetzt. Im folgenden wird dies anhand der Liquiditätsgrade 1 -3 erläutert.

1. Liquiditätsgrad:

Der 1. Liquiditätsgrad wird auch als Cash Ratio oder Barliquidität bezeichnet. Die Berechnungsformel lautet:

Flüssige Mittel / Kurzfristige Verbindlichkeiten * 100

Wie bereits erläutert, bestehen flüssige Mittel aus Kasse und Bankguthaben. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind Verbindlichkeiten, deren Fristigkeit wenige Wochen beträgt. Dies sind zumeist Rechnungen von Zulieferern. Ein optimaler Wert für den 1. Liquiditätsgrad ist 20%.

2. Liquiditätsgrad

Wichtiger ist allerdings der 2. Liquitätsgrad (auch Acid Test Ratio oder Einzugsliquidität genannt). Bei diesem werden neben den flüssigen Mitteln auch die Forderungen mit einbezogen. Die Summe aus den liquiden Mitteln und den Forderungen wird auch als Geldvermögen bezeichnet. Die Formel des 2. Liquiditätsgrad lautet:

Flüssige Mittel + Forderungen / Kurzfristige Verbindlichkeiten * 100

Oder verkürzt geschrieben:

Geldvermögen / Kurzfristige Verbindlichkeiten * 100

Optimal ist hier ein Wert von 100%. Hintergrund ist, dass davon auszugehen ist, die Forderungen zeitnah einzuholen. Das Unternehmen soll also in der Lage sein, alle kurzfristigen Verbindlichkeiten durch die zur Verfügung stehenden flüssigen Mitteln und der erzielten Umsatzerlöse zu decken.

Liegt die Liquidität unter 100%, wird von einem Liquiditätsengpass gesprochen. Hier muss das Unternehmen handeln. Beispielsweise durch Aufnahme eines Kredites oder durch den Verkauf von Anlagevermögen.

3. Liquiditätsgrad

Beim 3. Liquiditätsgrad (auch als Current Ratio bezeichnet) werden auch die Vorräte (das Umlaufvermögen) des Unternehmens in die Berechnung mit einbezogen. Die Formel lautet also:

Flüssige Mittel + Forderungen + Vorräte / Kurzfristige Verbindlichkeiten * 100

Ein Wert von 200% ist als optimal anzusehen.

Welche Aussagekraft haben die Liquiditätskennzahlen?

Die Liquiditätskennzahlen werden aus der Bilanz errechnet. Da die Bilanz stichtagsbezogen ist (meist zum 31. Dezember) sind auch die aus ihr berechneten Liquiditätskennzahlen stichtagsbezogen. D.h., dass diese Kennzahlen nur die Situation des Unternehmens an diesem einen Tag wieder geben.

Die Prognosekraft (wie entwickelt sich das Unternehmen?) dieser Kennzahlen liegt also bei Null. Investoren interessieren sich aber besonders für zukünftige Risiken und Chancen einer Unternehmung.

Ein weiterer Faktor für den geringen Aussagewert der Liquiditätskennziffern ist die Tatsache, dass diese sich leicht „verschnönern“ lassen. Siehe dazu Window-Dressing.

Fazit: Für Investoren bieten die Liquiditätskennzahlen aufgrund von fehlender Aktualität, fehlenden Prognosewert und der Möglichkeit die Kennzahlen zu verfälschen, keine Aussagekraft.

Liquiditätsplan

In einem Liquiditätsplan sind alle geplanten Zahlungsein- und Ausgänge erfasst. Der Plan ist wie folgt aufgebaut:

I. Ordentliche Einzahlungen

  1. Einzahlungen aus Umsatzprozess (Umsätze aus dem Kerngeschäft)

2. Sonstige lfd. Einzahlungen (z.B. Einnahmen durch Vermietung, Verpachtung)

  1. Ordentliche Auszahlungen

1. Löhne u. Gehälter

2. Material

3. Energie

4. Steuern u. Abgaben

5. Sonstige lfd. Aufwendungen (Reisekosten, Versicherung, Kommunikationskosten)

B. Außerordentliche Zahlungen

I. Außerordentliche Zahlungen

1. Zinsen

2. Anlagenverkäufe (Trennung von Anlagevermögen)

3. Auflösung Finanzinvestitionen

4. Sonstige Einzahlungen (z.B. beschlossene Kapitalerhöhung)

II. Außerordentliche Auszahlungen

1. Sachinvestitionen

2. Finanzinvestitionen

3. Sonstige Auszahlungen (z.B. Gewinnausschüttungen)

C. Unter-/Überdeckung (Berechnung des Saldos, Unterdeckung = Unterfinazierung, Lösung: Aufnahme eines Kredites, Verkauf von Anlagevermögen)

(AI + BI) – (AII + B II)

D. Ausgleichsmaßnahmen

I. Einzahlungen bei Unterdeckung (z.B. Kreditaufnahme, Desinvestitionen)

II. Auszahlungen bei Überdeckung (z.B. Termingeldanlage, Kreditrückzahlung)

E. Zahlungsmittelbestand zum Periodenende

Weitere interessante Artikel:

  • Betriebswirtschaftliche Grundbegriffe
  • Was ist Factoring?
  • Jahresergebnis
  • Fallstudie: Offene vs. geschlossene Systeme – Risikoanalyse am Beispiel Android und iPhone OS
  • Offenlegung des Jahresabschlusses – Scientific Abstract
  • Warum ihr bitte nicht nach LFK-Lösungen fragen sollt